Pferd, Ross, Gaul, Heisserl und Häuter
Im Mittelalter bezeichnete man ein Kurier- oder Postpferd oder ein Beipack-Lasttier mit dem aus griechischen und spätlateinischen Elementen gebildeten Wort „paraveredus“, was im Althochdeutschen zu „phärit,pferit“ gekürzt wurde und schließlich zu neuhochdeutsch „Pferd“ führte, der heute gängigsten standardsprachlichen Bezeichnung. Im Germanischen hieß das Tier „hros“ – daher englisch „horse“ (ähnlich im Niederländischen, Isländischen) und deutsch „Ross“. Die Mehrzahl ist „Rosse“ oder „Rösser“, bairisch: „oa Roos, zwoa Roos / Ressa“. In manchen Zusammenhängen steht unverändert „Ross“, so etwa in „Schlachtross, Rosshaar, Rosskastanie, Rosskur, Rösselsprung“ und „Bräuross (Brauereipferd), Rossbollen (Pferdeapfel)“. Als Bestandteil von Ortsnamen kommt ausschließlich „Ross“ vor (Rossbach, Rosshaupten usw.), niemals „Pferd“. Auch in den bairischen Dialekten ist „Pferd“ nicht recht heimisch, allenfalls die Verkleinerungsform „Pferdl, Pferderl“. Eine Ausnahme stellt das Nordbairische der Oberpfalz dar, wo man die Lautform „Pfàà“ kennt. Das Wort „Gaul“ gebraucht man leicht abfällig für ein minderwertiges Pferd (Ackergaul). Fast die gleiche Bedeutung hatte mittelhochdeutsch „gurre“. Das Wort ist in der Standardsprache ausgestorben, doch es lebt fort in einer recht geläufigen mundartlichen Bezeichnung für eine bösartige Weibsperson, die abqualifiziert wird als „Bießgurn“ („Bissgurre(n)“: bissige alte Stute), auch umgeformt zu „Bießgurkn, Bießgurgl“.
Ein junges Pferd, ein Fohlen oder Füllen, insbesondere ein junger Hengst, ist mundartlich „a Heiß, Heißl, Heißerl“, korrekt mit nasaliertem Zwielaut. Daher tritt auch die historisch richtige Schreibform „Heinßl“ auf. Das Wort leitet sich her vom nicht mehr gebrauchten Verb „heinßen“ (wiehern). Ein altes, ausgemergeltes Pferd nennt man „Heiter“, das ist eigentlich „Häuter“, denn nur mehr die Haut ist von Wert. In einem Gedicht von Eugen Oker trifft der Eigentümer eines solchen folgende Entscheidung: „befoar a ma gremmbfe wiad / soln an d idaliena fawuaschdn / den heidda.“


