Jahreshauptversammlung 2017

Bei der Jahreshauptversammlung der Kaltblut- und Haflingerzüchtervereinigung Bayerischer Wald am 02. März im Gasthaus Fechter in Grub zeigte sich einmal mehr, wie aktiv dieser Verein im gesamten Jahresablauf ist. Mit rund 350 Mitgliedern und den beiden jährlich stattfindenden Großveranstaltungen Zugleistungswettbewerb am Pfingstsonntag, dem Rosstag Ende August und zahlreichen kleineren Unternehmungen haben die Pferdefreunde ein enormes Pensum zu bewältigen.

Saal war rappelvoll

Der abgetrennte Saal konnte in diesem Jahr die vielen Besucher nicht mehr fassen, die sich über die Neuerungen in der Pferdezucht- und Haltung informieren wollten. Vorsitzender Willi Schedlbauer freute in seiner Begrüßung über den guten Besuch und erinnerte gleich zu Beginn an die im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder, Josef Früchtl (Gehstorf), Ernst Fleischmann (Altrandsberg) und Johann Stern (Bodenmais).
Zudem sprach er seinen Dank an alle Aktiven aus, die mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz den Erfolg des Vereins erst möglich machten. Sein besonderer Dank ging an die Stadt Bad Kötzting, die vor allem bei den Großveranstaltungen immer Hilfe durch den Bauhof und den Kur- und Gästeservice zur Verfügung stellt.
Anschließend hielt Geschäftsführer Florian Schedlbauer Rückblick auf die zahlreichen Veranstaltungen im Jahr 2014 und lud zu den Terminen im laufenden Jahr ein, vor allem zu der Hengstpräsentation, die am morgigen Sonntag in der Reithalle Kollmaier stattfinden wird.
Schatzmeisterin Karin Dobler, gab daraufhin ihren Kassenbericht ab, der aufzeigte, dass trotz steigender Unkosten nahezu ausgeglichen gewirtschaftet werden konnte.


Verein ist Werbeträger

„Würde es diesen Verein nicht geben, dann müsste man ihn erfinden“, lobte Bad Kötztings stellvertretender Bürgermeister Wolfgang Pilz. Er dankte dem Verein für seinen vielseitigen ehrenamtlichen Einsatz und hob die „Rosserer“ als wertvollen Werbeträger für die Stadt hervor. Bei dem was hier umgesetzt werde, müsste der Verein sich nahezu einen hauptamtlichen Geschäftsführer leisten, zeichnete Pilz die Pferdefreunde aus.
Hubert Berger, Vorsitzender des Pferdezuchtverbandes Niederbayern-Oberpfalz, dankte dem Verein für die gute Zusammenarbeit und rief die Züchter dazu auf, ihre Stuten wieder vermehrt bedecken zu lassen. „Wir sind in der Lage, dass der Bedarf an Pferden wieder da ist und diese von außerhalb zugekauft werden müssen“. Auch der Forderung, wieder eine Fohlenauktion im Zuchtgebiet zu installieren, komme man gerne nach, so Berger. Allerdings sei der Verband auch hier auf die Beschickung durch die Züchter angewiesen, was in der Vergangenheit nicht mehr der Fall war. Berger wisse natürlich, dass Pferdezucht nicht unbedingt gewinnbringend sei, aber der Spaßfaktor solle dabei nicht außer Acht gelassen werden.
Nach dem Vortrag von Karl-Heinz (Charly) Geiger wurde über eine Beitragserhöhung auf 15 Euro positiv abgestimmt. Vorsitzender Willi Schedlbauer rief erneut dazu auf, Adress- und Kontoänderungen umgehend dem Verein zu melden, da die vielen Rückbuchungen unnötig hohe Kosten verursachen würden. Er animierte die Mitglieder, die Vereinsveranstaltungen wie Dämmerschoppen, Versammlung für den Rosstag, Fahrturnier und vor allem die Weihnachtsfeier gut zu besuchen. Letztere werde aufgrund sinkender Teilnehmerzahlen sonst abgeschafft. Außerdem gab er bekannt, dass die Festküche auf den beiden Großveranstaltungen künftig die Familie Schreindorfer aus Warzenried übernehmen werde.

Geiger informiert über Zuchtfortschritt und Verband

Karl-Heinz (Charly) Geiger, Pferdezuchtberater bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und Bundestrainer Fahren informierte in seinem Fachvortrag über Neuerungen im Verband. Er berichtete von einem weiteren Mitgliederrückgang im Bayerischen Zuchtverband. Während bei den Haflingern leicht sinkende Bestandszahlen zu verzeichnen seien, wäre es erfreulich, dass sich die Stutenbestände beim Kalt- und Warmblut wieder nach oben bewegen würden. Einmal mehr rief er dazu auf, Zuchtstuten unbedingt ihre Leistungsprüfung ablegen zu lassen. In diesem Zuge lobte er besonders die guten Noten, die in der Vergangenheit beim Süddeutschen Kaltblut für Umgänglichkeit und Nervenstärke vergeben wurden. Der Einwand von Seiten der Zuhörer, dass beim Kaltblut nur mehr auf schwungvolle Gänge gezüchtet und der Charakter des Pferdes völlig außer Acht gelassen werde, könne damit widerlegt werden, stellte der Zuchtberater klar. Nur mehr vereinzelt werden Pferde für den landwirtschaftlichen Einsatz gekauft. Der Markt verlange derzeit gängige, aber trotzdem nervenstarke Freizeitpferde, dem man mit der Zucht auch Rechnung trage, so der Referent.



Geiger schafft Klarheit über Kutschenführerschein

Geiger schaffte auch endlich Klarheit hinsichtlich des Kutschenführerscheins, der derzeit für große Unsicherheit bei den Rosserern sorgt. Eine gesetzliche Verpflichtung, dass nur mit diesem Führerschein ein Gespann im Straßenverkehr gefahren werden darf, besteht derzeit nicht. Es handelt sich dabei um ein freiwilliges Schulungs- und Qualifizierungsangebot der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Der Verband möchte damit den Tierschutzorganisationen den Wind aus den Segeln nehmen, die das Gespannfahren verbieten wollen. Somit könne bei einem etwaigen Unfall einen Sachkundenachweis geführt werden, was einige Versicherungen ohnehin schon verlangen.
Geiger betonte ausdrücklich, dass ein Fahrabzeichen (egal welcher Klasse), eine höherwertige Ausbildung darstellt. Besitzer eines Fahrabzeichens können nach Vorlage desselben, den Kutschenführerschein für einen Unkostenbeitrag von 15 Euro beantragen. Das entsprechende Formular dafür wird in Kürze verfügbar sein und über die Zuchtverbände veröffentlicht werden. Ausnahmen soll es für Fahrer geben, die das Führen von Gespannen im öffentlichen Verkehr schon seit Jahrzehnten nachweisen können. Über Einzelfallentscheidungen können auch sie den Kutschenführerschein erhalten. Der Kutschenführerschein soll in die Kategorien A (privat) und B (gewerblich) unterteilt werden. Geiger wies in diesem Zuge ausdrücklich darauf hin, dass unabhängig vom Kutschenführerschein bei gewerblicher Pferdehaltung ein Sachkundenachweis zu erbringen ist, der bei Betriebsprüfungen durch das Veterinäramt vorgelegt werden muss.