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Der Kötztinger Pfingstritt

Wenn er auch keine Veranstaltung des Vereins ist, so sollte der Kötztinger Pfingstritt hier doch unbedingt erwähnt werden. Denn die Pferde sind untrennbar mit der "fünften Jahreszeit" in der Kleinstadt verbunden und nahezu jeder Pferdehalter im Umkreis ist bei dem Gelöbnisritt mit dabei. Eine Besonderheit des Rittes ist, dass nur Männer daran teilnehmen dürfen.

Das Kreuz zieht dem Ritt voran: Kreuzträger Josef Schedlbauer,

ihm folgen die beiden Laternenträger

(Foto: I. Dachs, 2013)

Geschichtlicher Hintergrund

Der Kötzting Pfingstritt zählt zu den größten berittenen Bittprozessionen Europas und geht auf ein Gelöbnis aus dem Jahre 1412 zurück. Die Legende besagt, dass im sieben Kilometer entfernten Dorf Steinbühl ein Mann im Sterben lag und um die Sterbesakramente bat. Der Pfarrer sah sich aber außerstande, ohne Schutz dorthin zu gelangen, deshalb begleiteten ihn einige Kötztinger Burschen. Nach der glücklichen Rückkehr wurde gelobt, den Ritt jedes Jahr zu wiederholen. Seitdem ziehen alle Jahre am Pfingstmontag die Reiter betend auf geschmückten Pferden und in ihren Trachten hinaus durchs Zellertal nach Steinbühl.

Unter dem feierlichen Geläut der Kirchenglocken verläßt die Reiterprozession morgens ab 8 Uhr betend die Stadt, um das Gelöbnis zu erneuern. Sie wird angeführt vom Kreuzträger, dem die beiden Laternenträger folgen. Es schließen sich die  Fanfarenbläser, der Geistlicher Offiziator mit Mesner und Ministranten und der Pfingstbräutigam mit den beiden Brautführern an. Die offizielle Spitze wird abgeschlossen vom Pfingstbräutigam des Vorjahres, der die Marktfahne mitführt, seinen Brautführern und von der Vertretung der Burschenschaft. Dann folgen die übrigen Reiter, von denen viele Erinnerungsfahnen mitführen, die sie für langjährige Rittteilnahme erhalten haben. Unterwegs verkündet der Offiziator an vier Stationen das Evangelium und segnet mit der Monstranz die Fluren.

Kötztinger Pfingstreiter auf dem Weg nach Steinbühl: (v.l.n.r). Walter Pfeffer (+), Willi Schedlbauer, Erich Miethaner und Reinhard Mühlbauer erneuern das Gelöbnis (Foto: I. Dachs, 2007)

In der Pfingstreiter-Wallfahrtskirche St. Nikolaus in Steinbühl ist Reitergottesdienst. Nach einer Pause für Ross und Reiter bewegt sich die Reiterprozession um 12 Uhr wieder zurück nach Bad Kötzting. Mit dem Festakt und dem eucharistischen Segen, der Überreichung des Tugendkränzchens, der Auszeichnung langjähriger Pfingstreiter und dem "Te Deum" endet der kirchliche Teil des Rittes.

Eucharistische Prozession
  

Der Pfingstritt 2004 ist in die Geschichte des fast 600 Jahre alten Gelöbnisses eingegangen. Erstmals ritt ein Bischof mit den Pfingstreitern nach Steinbühl und zurück. Seine Exzellenz, Gerhard Ludwig, Bischof von Regensburg, hat in seiner liebenswerten herzlichen Art und seinem, dem Anlass entsprechend würdevollen Auftreten, sowohl Reiter als auch Besucher tief beeindruckt. Er hat die religiöse Dimension dieser Tradition erheblich aufgewertet und mit seinem Dekret den Kötztinger Pfingstritt wieder zu einer Eucharistischen Prozession gemacht. Nach 135 Jahren durfte 2004 erstmals wieder das Allerheiligste mitgeführt werden, nachdem dies, auf einen Pastoralerlass des Bischofs Ignatius von Senestry vom 17. Januar 1869 hin, verboten war. (Quelle: /http://www.koetzting.de)

Das Allerheiligste wird mitgeführt: Gerhard Kardinal Müller, hier flankiert von seinem Sekretär Monsignore Slawomir Sledziewski (links) und dem geistlichen Offiziator Eldivar Pereira Coelho. (Foto: I. Dachs, 2015)